Türöffner Berlin Minecraft

Kinder und Jugendliche sollten an Stadtplanungsprozessen mitwirken – schließlich ist es ihre Zukunft, die geplant wird. Wir haben gemeinsam mit der con terra GmbH ein Tool entwickelt, das Kinder und Jugendliche animiert, sich Berlins Mitte selbst zu planen und zu bauen – mit einer Minecraft-Karte. Ein Interview zum Projekt und seinen Möglichkeiten mit Benjamin Seibel, Leiter des Bereichs Ideation & Prototyping Lab.
Eine Minecraft-Landschaft mit Fernsehturm und grüner Pyramide

Ein Computerspiel einzusetzen, um Kinder und Jugendliche für Stadtentwicklung zu interessieren, klingt erst mal überraschend. Wie weit war der Weg aus der Spielewelt in die Welt der Berliner Stadtplanung?

Die Dinge passen bestens zusammen: Die Daten für unsere Berlin-Karte standen dank der Open Data-Strategie des Senats zur Verfügung, so dass wir zusammen mit der con terra GmbH ein 3D-Stadtmodell in Minecraft nachbilden konnten. Und eine Zielgruppe für unser Spiel gab es auch von Anfang an: Minecraft bringt eine riesige Community mit, die auch mit Blick auf Alter und Geschlecht sehr divers ist. Das heißt: Fast alle Kinder und Jugendliche können Berlin Minecraft ohne weitere Anleitung verstehen. Wir können sie quasi spielerisch dazu motivieren, über Berlin nachzudenken und die Stadt nach eigenen Bedürfnissen und Wünschen umzugestalten.

Können Sie sich weitere Projekte dieser Art vorstellen?

Ich finde es grundsätzlich einen interessanten und vielversprechenden Ansatz, Computerspiele zu nutzen, vor allem wenn es um die Zielgruppe Kinder und Jugendliche geht. Man muss sie in ihrer eigenen Lebenswelt abholen, wenn man ihnen komplexe Themen wie Stadtplanung so vermitteln möchte, dass sie ihnen etwas abgewinnen können.

Das bedeutet natürlich nicht, dass man vom Zocken alleine klüger wird. Es braucht ein sinnvolles Gesamtkonzept und einen pädagogischen Rahmen. Wie so etwas gehen kann, hat die Initiative Joblinge gezeigt, die jugendliche Schulabbrecher*innen unterstützt. Sie hat Berlin Minecraft als Türöffner genutzt. Die Jugendlichen kennen und mögen das Spiel und konnten es nun im Rahmen einer Projektwoche einsetzen, bei der es um eine Umgestaltung des Alexanderplatzes ging. Die Jugendlichen durften mit Minecraft neue Stadträume bauen, mussten aber auch Interviews mit Bürgern, Stadtplanern und Architekten führen, Protokolle schreiben, Argumentationen einüben etc.

Das Projekt war ein großer Erfolg, hat allen Beteiligten Spaß gemacht und inzwischen schon erste Nachahmerinnen und Nachahmer gefunden. Wir freuen uns darüber und können uns auch weitere Projekte vorstellen, für die wir gerne die Berliner Minecraft Karte zur Verfügung stellen.

Mehr zu Berlin Minecraft und Link zum kostenlosen Download

Autor: Frauke Nippel
Erschienen: 19. September 2017
Bildrechte: Technologiestiftung Berlin
Original Blogbeitrag: https://www.technologiestiftung-berlin.de/de/projekte/projekt/minecraft/

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