Start-up-Partner Mittelstand

In den USA ist es schon längst verbreitet, aber auch bei uns beteiligen sich Familienunternehmen mit Blick auf langfristigen Kapitalerhalt zunehmend an jungen Firmen.

In einer Lagerhalle zeigt ein Mann mit Warnweste einem Mann mit Oberhemd etwas am Laptop

Seit einiger Zeit tritt der Mittelstand gegenüber Start-ups nicht nur als traditioneller Kooperationspartner, sondern gehäuft auch als Risikokapital-Investor auf. Häufig investieren mittelständische Familienunternehmen als sogenannte Family Offices in Start-ups, also Gesellschaften, die das Vermögen der Unternehmerfamilie bündeln.

Aber auch eigens gegründete Risikokapitalgesellschaften eignen sich für Familienunternehmen, um sich an Startups und neuen Technologien zu beteiligen und so das Portfolio zu erweitern.

Dabei agiert der Mittelstand in der Regel anders als klassische Venture-Capital-Gesellschaften. Investiert wird vorrangig in Start-ups, deren Produkte in die eigene Unternehmensstrategie passen.

Christian Renner, Gründer und Managing Director von Kompass Digital, dem Risikokapitalfonds eines deutschen Family Offices, hat langjährige Erfahrung mit Venture-Capital-Fonds in Deutschland und den USA gesammelt: „Mittelständische Family Offices wollen meist keine kurzfristigen Gewinne über eine befristete Haltedauer und den Wiederverkauf einer Beteiligung generieren, sondern der langfristige Kapitalerhalt der gesamten Familie steht im Vordergrund“, so Renner. Das macht sie für Start-ups interessant, da diese sich sonst oft mit Kapitalgebern konfrontiert sehen, die auf einen schnellen Exit abzielen. Der größere Zeithorizont ermöglicht strategische Allianzen, die zwar auch mit Großkonzernen möglich sind, dort erschweren oft aber sehr feste Strukturen das Vorankommen.

Neben einer direkten Beteiligung stehen mittelständischen Unternehmen noch weitere Kooperationsformen mit Startups offen. Der hessische Heizungsbauer Viessmann hat zum Beispiel WATTx gegründet, einen Company Builder, der verschiedene Branchen analysiert, um so echte Kundenbedürfnisse zu identifizieren und diese durch eigens gegründete Start-ups in Bereichen wie IoT oder Künstliche Intelligenz zu adressieren.

Alternativ werden bei einem Accelerator Start-ups innerhalb von in der Regel zwei bis vier Monaten durch Coaching, Bereitstellen von Büroflache und teilweise auch Kapital unterstützt.

Christian Renner weiß, was fur eine erfolgreiche Allianz zwischen Mittelstand und Start-ups wichtig ist: „Vor allem komplementäre Zielbeziehungen und Interessensschnittstellen sind notwendig. Ein einseitiges Abschöpfen von Kooperationsvorteilen wird dagegen als ein häufiger Grund fur das Scheitern von Kooperationen angegeben. Es ist wichtig, dass sich beide Parteien auf Augenhöhe begegnen und unterschiedliche Wertvorstellungen toleriert werden.“

Autorin: Julia
Erschienen: 26. Oktober 2017
Bildrechte: sturti – istockphoto
Original Blogbeitrag: http://www.ihk4startups.berlin/post/166810168828/start-up-partner-mittelstand-in-den-usa-ist-es

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