log in. berlin. bloggt: Nicer Networks im Berliner IT-Wald

Chen-Yu Lin, Standortleiterin SerNet
Berlin ist für Chen-Yu Lin ein IT-Wald, der immer grüner wird. Ihr Nachname, „Lin“, heißt Wald in ihrer Sprache. Besonders schätzt die gebürtige Taiwanerin die guten Recruiting-Möglichkeiten – und die asiatischen Restaurants Berlins, in denen es schmeckt wie in der Küche ihrer Oma. Die promovierte Sozialwissenschaftlerin ist seit über fünf Jahren als Standortleiterin für das Berliner Büro des Göttinger IT-Dienstleisters SerNet verantwortlich. 2005 hat SerNet das Büro im Nikolaiviertel eröffnet. 2014 ist die Berliner Niederlassung nach Mitte, in die Torstraße umgezogen.

Frau Lin, für eine promovierte Sozialwissenschaftlerin ist es eher ungewöhnlich, in einem IT-Unternehmen tätig zu sein. Wie kam es dazu?

Ich habe mich schon während meines Studiums für Themen wie Sicherheit und Datenschutz interessiert. Meine Doktorarbeit habe ich über „Öffentliche Videoüberwachung in den USA, Großbritannien und Deutschland – ein Drei-Länder-Vergleich“ geschrieben. Soziologie und IT sind keine sich ausschließenden Disziplinen, sondern ergänzen sich. Beispiele sind die Diskussionen um Algorithmen und Ethik in der IT oder der Studiengang Techniksoziologie an der Berliner TU. Konkret wollte ich aber Erfahrungen im Eventmanagement sammeln, und SerNet hat damals zu einem der hauseigenen Softwareprodukte eine Konferenz gestartet. Dieses Jahr findet diese Fachkonferenz, die verinice.XP, erneut in Berlin statt.

Wofür steht SerNet und was ist Ihr Kerngeschäft?

In unseren Geschäftsfeldern IT-Sicherheit, Datenschutz und Informationssicherheit steht die Firma hinter den Grundsätzen Open Source, Sicherheit und Interoperabilität. Mit unserem Claim „nicer networks“ wollen wir ausdrücken, dass wir uns nicht nur für die digitalen Netze zuständig fühlen und für deren Sicherheit sorgen. Uns kümmern auch die Netzwerke zwischen den Menschen. Wenn wir für Sicherheit und Offenheit in den digitalen Netzwerken sorgen, sorgen wir automatisch auch dafür, dass die Menschen über sichere Kanäle kommunizieren können.

Was unterscheidet SerNet aus Ihrer Sicht von anderen IT-Unternehmen?

Unsere Ideen sind nicht nur eine Imagekampagne auf unserer Homepage, sondern wir leben sie wirklich, wie etwa die Förderung von MINT-Berufen. Wir haben viele Frauen in der Entwicklung, in leitenden Positionen und im Support. Und die Interessen der Mitarbeiter stehen bei SerNet im Vordergrund. Ein Beispiel: Früher waren die meisten von uns Singles und kinderlos. Inzwischen hat sich das verändert. Immer mehr „SerNet-Kinder“ kommen auf die Welt. SerNet ist mitgegangen, bietet flexible Arbeitsmodelle, wirbt dafür, dass auch die Männer länger in Elternzeit gehen, und ist dadurch heute sehr familienfreundlich.

Was waren die Gründe für das zweite Büro am IT-Standort Berlin?

Das Berliner Büro bezeichnen wir als Headquarter der Fachabteilung „verinice“. Erst waren wir fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, jetzt sind wir fünfzehn. Die verinice-Entwicklung und das SerNet-Marketing sind in Berlin angesiedelt. Anlass für die Eröffnung des Berliner Büros war die Umstellung auf Linux-Server mit unserer Software „Samba“ beim Deutschen Bundestag, der kurze Reaktionszeiten für Vor-Ort-Support vereinbaren wollte. Später haben wir auch weitere Vorteile gesehen: Berlin bietet Plattformen, über die wir unsere Stimme hörbar machen können: Netzwerke oder Verbandstreffen. Ich bin oft unterwegs, denn hier können wir viel bewegen. Wir können unser Fachwissen bei Vorträgen und auf Podien direkt einfließen lassen. Kleinere Unternehmen sehen die Themen aus einer anderen Perspektive als große. Das ist wichtig für die Vielfalt. Berlin ist außerdem eine sehr lebendige Stadt mit unglaublichen Recruiting-Möglichkeiten. Die Stadt ist voll mit tollen jungen Menschen, die frische Ideen einbringen.

Wo sehen Sie das Berliner Büro von SerNet in fünf Jahren?

Wir werden uns in etwa drei Jahren nach anderen Räumlichkeiten umschauen müssen, weil wir langsam aber stetig wachsen, genauso wie die Stadt Berlin. Ich denke das entspricht sehr dem Slogan von „log in. berlin“. Berlin ist ein IT-Wald, und der Wald wird immer grüner. Und SerNet ist ein Baum in diesem Wald. Mein Nachname „Lin“ heißt übersetzt „Wald“. Das passt doch gut. Berlin war bisher ein attraktiver Standort sowohl für Unternehmen als auch für Mitarbeiter. Aber die Stadt verändert sich sehr rasant, und die Preise steigen. Für SerNet wird die nächste Zeit zeigen, an welchem Standort mehr Wachstum möglich ist. Das wird von den Rahmenbedingungen abhängen, die Berlin zukünftig bietet.

Und aus persönlicher Sicht? Wie erleben Sie die Stadt?

Ich erlebe eine sehr bunte, grüne Stadt mit verschiedenen Milieus. Ich finde es spannend, wenn ich mit der Tram fahre und umsteige in eine andere Linie. Ich treffe dann auf ganz andere Menschen, Gerüche und Kulturen. Toll finde ich auch das Angebot an Restaurants. Ich habe noch nirgends in Deutschland so viel gutes, authentisches asiatisches Essen gegessen. Das ist nicht so europäisiert, also nicht das übliche Süß-Sauer, das es bei uns gar nicht so gibt. Hier kann ich wirklich essen wie in der Küche meiner Oma in Taiwan.

Was unterscheidet Berlin von Taipeh, Ihrer Heimatstadt in Taiwan?

Beide Städte sind sehr schnell. Aber Taipeh ist für mich enger, die Menschen leben viel näher zusammen, die Wände sind dünner. In Taiwan konnte ich hören, wenn der Nachbar morgens niest. In Berlin beobachte ich trotz der Großstadt, trotz der Hektik, eine gewisse höfliche Distanz zwischen den Menschen. Wenn man mit dem Kinderwagen unterwegs ist, sieht man den Unterschied deutlich. Hier halten die Menschen Distanz zu dem Kinderwagen. In Taiwan würde die Leute kommen und dem Kind über das Gesicht streicheln. Da wird eine Nähe zugelassen, die hier gar nicht möglich ist.

Die IT und die Digitalisierung verändern unseren Alltag rasant. Gibt es eine Innovation, über die Sie sich persönlich freuen würden?

Der intelligente Kühlschrank, der weiß, welche Lebensmittel in ihm sind und wann diese ablaufen, ist ja das älteste Klischee, das man hier nennen kann. Aber für mich würde das Gerät den Alltag wirklich erleichtern, wäre es gekoppelt mit einer Rezeptdatenbank, die Gerichte auf Grundlage des vorhandenen Kühlschrankinhaltes vorschlägt und – wenn etwas fehlt – die entsprechenden Zutaten per Knopfdruck im Online-Supermarkt bestellt.

 

Foto: Sabine Felber

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