IT-Kompetenzfeld Disruption: Kiron Open Higher Education

KIRON SCHAFFT STUDIENPERSPEKTIVEN FÜR GEFLÜCHTETE

Das Berliner Social Start-Up Kiron Open Higher Education ermöglicht Geflüchteten den Zugang zu Hochschulbildung. Mit einem innovativen Blended-Learning-Modell aus Online- und Offline-Elementen sollen bürokratische, finanzielle und rechtliche Hürden überwunden werden.

Kiron Open Higher Education

Begonnen hat alles mit einer ersten Idee. Auf einer Konferenz der Friedrich-Naumann-Stiftung zum Thema Flucht lernten sich Vincent Zimmer und Markus Kressler kennen. Beide stellten fest, dass sie eine Vision teilen: die Vision einer Universität 2.0 und den damit verbundenen Studienmöglichkeiten für Geflüchtete. Nach ersten Gesprächen mit Online-Kursanbietern, Universitäten und Entscheidungsträger*innen in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft wurde die Bildungsplattform für Geflüchtete, Kiron, Anfang 2015 gegründet. Durch die Unterstützung vieler Freiwilliger und einer erfolgreichen Sozialen-Crowdfunding-Kampagne konnten im Oktober 2015 die ersten Studierenden ein Studium beginnen.

Von Geflüchteten zu Studierenden

Im Mittelpunkt der Kiron-Idee steht der Identitätswechsel vom Geflüchteten zum Studierenden. Oftmals haben Geflüchtete erschwerte Bedingungen, um ihr Potenzial voll zu entfalten, insbesondere im Bildungsbereich. Während über 30 Prozent der Weltbevölkerung Zugang zu Hochschulbildung haben, trifft das lediglich auf 1 Prozent der Geflüchteten zu [1]. Kiron setzt hier an und versucht die Hürden zu überwinden, die es geflüchteten Menschen erschweren zu studieren. Unabhängig vom Aufenthaltsstatus und -ort sowie dem Nachweis von Zeugnissen, kann das kostenfreie Bachelorstudium begonnen werden.

Die derzeit 1500 Studierenden haben die Möglichkeit zwischen den Fachrichtungen Sozialwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Informatik und Ingenieurwissenschaften zu wählen. Aktuell finanziert sich Kiron mithilfe von Stiftungen, Unternehmen, Spenden und öffentlichen Förderungen. Langfristig soll ein umgekehrter Generationenvertrag die nachhaltige Finanzierung sicherstellen.

Innovatives Blended-Learning-Konzept

Kiron stützt sich auf ein innovatives Bildungsmodell. Das Blended-Learning-Konzept vereint Online- und Offline-Elemente. Das Studium setzt sich aus einem durchschnittlich zweijährigen Online-Studium auf der von Kiron entwickelten Lernplattform und einem Präsenzstudium an einer der Partnerhochschulen zusammen.

Etablierte Anbieter von Online-Kursen, sogenannte MOOCs (Massive Open Online Courses), wie EdX, Coursera oder Saylor Academy stellen Kiron ihre Kurse in englischer Sprache zur Verfügung. Kiron bündelt diese zu Modulen und stellt je nach Fachrichtung Studienverlaufspläne zusammen.
Ein Online-Studium fordert von den Studierenden in der Regel ein hohes Maß an Disziplin und Selbstverantwortung. Deshalb bietet Kiron eine Vielzahl an ergänzenden Student Services an, um die Studierenden umfassend in unterschiedlichen Bereichen zu unterstützen. Dazu zählen Sprachkurse, Liv e-Tutorien über Direct Academics, ein in die Lernplattform integrierter Helpdesk und ein Buddy- und Mentoringprogramm. Da viele Studierende traumatische Erfahrungen während ihrer Flucht gemacht haben und sich zum Teil in schwierigen Lebenssituationen befinden, bietet Kiron zudem eine psychosoziale Beratung an. Weiterhin können sich die Studierende n in sogenannten Study Centers, physischen Lernorten, mit Kommiliton*innen austauschen und haben Zugang zu Hardware und Internet.
Kiron hat sich bis 2018 zum Ziel gesetzt, sein Modell inklusive der Student Services neben Deutschland in Frankreich, Jordanien und der Türkei erfolgreich zu implementieren. Denn das Konzept eignet sich als flexible Lösung dazu, einen ortsunabhängigen Bildungszugang zu gewährleisten. Vor allem in Ländern wie der Türkei oder Jordanien ist der Bedarf angesichts der hohen Zahl an Geflüchteten sehr groß. Kiron hat die Vision, dass mithilfe des innovativen Bildungsansatzes möglichst viele geflüchtete Menschen studieren können und somit eine langfristige Integration in den Arbeitsmarkt und die Gesellschaft gelingen kann.

[1] UNHCR (2016): “Missing Out – Refugee Education in Crisis”, http://www.unhcr.org/57d9d01d0

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