IT-Kompetenzfeld Disruption: Barzahlen

DIE DIGITALISIERUNG VON BARGELD

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Im Jahr 2011 traten die Gründer von Barzahlen an, das Bargeld online zu bringen. Heute kann man in über 8.000 Onlineshops mit Bargeld zahlen und nicht nur das: Auch Stromrechnungen, Versicherungen und die Miete können bar gezahlt werden. Gerade ist das Berliner Start-up mit einer Lösung für Banken gestartet, mit der Kunden per Smartphone-App Geld abheben können.

Barzahlen Gründer Achim Bönsch und Sebastian Seifert vor dem FernsehturmGründer Achim Bönsch (links) und Sebastian Seifert

Das Medienthema derzeit ist FinTech – junge Unternehmen, die die Finanzbranche verändern. Rund 200 Unternehmen, die sich mit dem Thema Finanzen beschäftigen, gibt es in Deutschland. Eines der ersten Unternehmen dieses Sektors ist Barzahlen. „Als wir anfingen, gab es den Begriff ‚FinTech‘ in Deutschland noch nicht. Damals machten wir noch Payment“, erklärt Unternehmenssprecherin Susanne Krehl.

Das FinTech Barzahlen ist dabei kein gewöhnliches FinTech, da es sich tatsächlich mit der Deutschen liebsten Zahlungsmittel, dem Bargeld, beschäftigt. „Rund 80 Prozent aller Zahlungen in Deutschland werden in bar getätigt. Nur ein Drittel der Erwachsenen hat eine Kreditkarte“, analysierte Barzahlen die Situation. Aus diesem Gedanken und der Erfahrung der Gründer resultierte die Geschäftsidee zu Barzahlen. Sie wollten eine Onlinezahlungsart anbieten, die jedem zugänglich ist und damit das beliebteste Zahlungsmittel online bringen.

Einzelhandelspartner bieten Infrastruktur

Mithilfe von Einzelhandelspartnern wurde eine Infrastruktur geschaffen, die Bargeldein- und auszahlungen in Supermärkten, Drogerieketten und weiteren deutschlandweit vertretenen Filialisten ermöglicht. Rund 10.000 Filialen von REWE, PENNY, dm, Budni und real,- sowie die Telekom, mobilcom-debitel, Eckert und Ludwig Shops gehören zum Netzwerk. Kunden erhalten bei Abschluss der Bestellung einen Zahlschein, den sie sich ausdrucken oder auf ihr Handy schicken lassen können. Dieser Zahlschein wird dann an der Kasse einer Partnerfiliale gescannt und der Kunde zahlt mit Bargeld oder den angebotenen elektronischen Zahlungsmitteln. Von der Kasse erhält der Onlineshop direkt bei Bezahlung eine Bestätigung und kann die Ware risikofrei versenden.

Mittlerweile nutzen über 8.000 Onlineshops die Zahlungslösung des jungen Unternehmens. Doch mit dem Onlinehandel war für die Gründer nicht Schluss. Nach und nach taten sich mehr Branchen auf, in denen Bargeldzahlungen bisher nicht optimal gelöst waren. Viele Energieversorger lassen ihre Kunden Stromrechnungen bar an Kassenautomaten im Kundenservicecenter bezahlen. Eine Möglichkeit, die von Hunderttausenden Kunden jeden Monat genutzt wird. Hier setzte Barzahlen an und bietet Energieversorgern wie auch anderen Rechnungsversendern mit Massenkundengeschäft den Service, direkt mit der Rechnung einen Zahlschein zu versenden, mithilfe dessen die Rechnung im Supermarkt um die Ecke beglichen werden kann. Neben Energieversorgern wie E.ON nutzen auch Versicherungen wie ERGO Direkt, Telefongesellschaften wie die Deutsche Telekom und Wohnungsbaugesellschaften wie die GAG Barzahlen.

Nächstes Ziel: Banken

Das neueste Modell von Barzahlen richtet sich an Banken. Direkt über die Bank-eigene App wird den Kunden die Möglichkeit geboten, in den Barzahlen-Einzelhandelspartnerfilialen Geld abzuheben. Einer der Vorreiter, der dieses Angebot bereits integriert hat, ist die Deutsche Kreditbank (DKB). Mittelfristig sollen weitere Banken folgen.

Mit seinen 10.000 Filialen bietet Barzahlen ein Netzwerk größer als das aller deutschen Privatbanken, das zudem stetig zunimmt – während Banken weiter Filialen abbauen. Über 12 Prozent aller Bankfilialen wurden laut KfW in den vergangenen 10 Jahren geschlossen. Eine Fortsetzung des Filialrückbaus ist wahrscheinlich. Bis zum Jahr 2020 könnten bis zu einem Drittel weniger Bankfilialen existieren. Barzahlen möchte diese Entwicklung für den Kunden abfangen, indem einfache Bank-Services wie Geldabheben oder Rechnungen zahlen in den Einzelhandel verlagert werden.

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Foto: © Cash Payment Solutions GmbH

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