Hilfe, mein Kiez wird smart!

Mein Quartier, mein Kiez, mein Block. Hier soll es nun passieren. Was? Na alles! Ein gut gemischter „Smart District“ soll es werden. Hier wird sie umgesetzt werden, die Energiewende. Hier wird sie rollen, die intelligente Mobilität. Und ja, vernetzt ist die Nachbarschaft dann natürlich auch schon.

In der Gegenwart ist davon noch nicht viel zu sehen. Der Weg ist steinig und hart. Im Fall des Ihme-Zentrums in Hannover hat er hat geradezu monströse Ausmaße. Es kommt schwer und mächtig, aus Massen von Beton daher, als Großsiedlung des Brutalismus. In den Obergeschossen ist das Ihme-Zentrum voll bewohnt, in den Sockel- und Untergeschossen herrscht gähnende Leere und Abrissstimmung. Dabei war das Konzept der Mischung von Wohnen, Arbeiten und Einzelhandel mit einem Verkehrskonzept, dass den Verkehr in der Tiefgarage auffängt und den gesamten öffentlichen Raum des Komplexes autofrei macht, echt smart. Hier engagiert sich seit Jahren eine Bürgerinitiative mit einer Zukunftswerkstatt, die den Koloss mit einer zukunftsfähigen Mischung aktivieren möchte. Mit der Veranstaltung „Produktive Stadt“ wurde der Blick auf eine weitere Mischungsebene gerichtet, zu der die Technologiestiftung als Ideengeberin eingeladen wurde.

Auch Berlin hat viele Großbauten und Siedlungen, als Architekturwerke der 1970er Jahre. Sie können als Chance für eine Neuerfindung der Berliner Mischung dienen. Bisher interessieren sich einige wenige alte oder neue Nutzer*innen oder Nachbar*innen für Projekte dieser Art. Viele haben eher Angst vor den Veränderungen. Es ist Zeit für neue Partizipationsmodelle, die Alt und Jung, Arm und Reich ansprechen.

Monostrukturelle Nutzungskonzepte, teure Eigentumswohnungen, komplizierte Partizipationsverfahren, das ist die Realität. Dabei könnte alles so schön und smart werden. Ein Energiekonzept mit vernetzten Nachbar*innen, die mittels Blockchaintechnologie selbsterzeugte Energie austauschen. Oder einen Hub für Elektromobilität, natürlich gekoppelt mit der hauseigenen Energieerzeugung. Nicht zuletzt eine Mikrovernetzung der Nachbarschaft z.B. mit einer KiezBox. Das sind digital unterstützte Bausteine, am besten realisiert durch Mieter*innen- oder Eigentümer*inneninitiativen, für das Fundament eines ausgewogenen Mischungsverhältnisses der Nutzungen. Vertikal, horizontal, in Gebäuden, Gebäudeabschnitten oder sogar in einzelnen Etagen. Die Mischung schafft lebenswerte, produktive und resiliente Stadtquartiere.

Zeit für eine positive Message: Herrlich, mein Kiez wird smart!

 

Autor: Anne-Caroline Erbstösser
Erschienen: 18. Mai 2018
Bildrechte: Technologiestiftung Berlin
Original Blogbeitrag: https://www.technologiestiftung-berlin.de/de/blog/hilfe-mein-kiez-wird-smart/

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