„Ich würde immer wieder das machen, was es noch nicht gibt.“ – Fox & Sheep-Gründerin Verena Pausder im Porträt

Verena Pausder

Sie hat Sushi nach Bielefeld gebracht und hat schon lange vor Tinder auf ein Online-Dating-Portal gesetzt. Sie hat Fox & Sheep gegründet, ist international im Markt für Kinder-Apps erfolgreich und würde gerne einmal ein Jahr im Silicon Valley leben. Sie glaubt statt an Quoten an Vorbilder und wurde vom World Economic Forum zum Young Global Leader ernannt. Am 12. Mai war sie DWOMAN of the Day: Digitalpionierin Verena Pausder.

Konsequent und zielstrebig – diesen Eindruck gewannen die DWOMEN von Verena Pausder, und diesen Eindruck gewinnt man auch, wenn man die Gründerin und Geschäftsführerin von Fox & Sheep zum Gespräch trifft. Zielstrebig kommt sie durch den  Hinterhof in Berlin-Mitte, welcher beide Büros von Fox & Sheep verbindet, auf einen zu – obwohl bis zum Termin noch zehn Minuten Zeit wären. Konsequent führt sie im Gespräch durch die Stationen ihres Lebens, welche sie durchaus pragmatisch einordnet.

Was reizt sie am Gründerleben? „Es kann ganz hoch und ganz tief gehen.“ Pausder kennt die Höhen und Tiefen aus ihrer Kindheit, sie spiegelten sich in den Urlauben: Mal ging es zum Campen, mal ins Hotelresort. Trotzdem hat sie das Beispiel ihrer Eltern geprägt: „Sie sind Grund und Inspiration für Vieles, was ich mache. Sie wollen immer das Nächste gründen, wachen jeden Morgen auf und wollen die Welt verändern.“ So trieb das Vorbild ihrer Eltern  die Diplom-Kauffrau an, bereits während ihrer Studienzeit eine eigene Unternehmerinnenkarriere zu starten. Auf dem Weg zur Gründung und Geschäftsführung von Fox & Sheep lagen einige Stationen, von einer Sushi-Bar in Bielefeld bis hin zur Partnerschaftsbörse be2. Ihre Salatbar scheiterte grandios, für manche Stellen war sie zu hibbelig, immer aber würde sie sich für den Pionierweg entscheiden: „Ich würde immer wieder das machen, was es noch nicht gibt.“

Mit Fox & Sheep geht es für Pausder und ihr Team im Jahr 2016 steil nach oben, Initiativen wie die Digitalwerkstatt mit Haba und die Startup Teens holen des Thema der digitalen Bildung durch Smartphones und Tablets durch Überzeugungs- und Aufklärungsarbeit aus der Nische der Vorurteile heraus. Dabei passt auch die Gründung von Fox & Sheep und das Setzen auf Mobile Games zu Pausders Pioniergeist. Besonders die Situation in der digitalen Bildung für Kinder in Deutschland vergleicht sie mit den Bedenken, welche anfangs in Ostwestfalen rohem Fisch entgegen gebracht wurden, oder auch den anfänglichen Vorurteilen gegenüber Partnerschafts- und Kontaktbörsen. „Pionier sein ist toll“, stellt sie fest, „aber immer erst im Nachhinein.“ Gerade in Deutschland würde zu oft von Problemen, statt von Chancen digitaler Lösungen gesprochen.

Mindmap Verena Pausder

Das Schicksal der verkannten Pionierin bleibt der 36-Jährigen mit Fox & Sheep erspart. Zwar macht das Unternehmen nur rund 7% seines Umsatzes in Deutschland; durch ein Team von Überzeugungstätern, welche alle selbst Kinder in der Zielgruppe haben, kann Fox & Sheep aber die Sorgen der Eltern nachempfinden und lindern. So werden nur Spiele angeboten, welche man die eigenen Kinder spielen lassen würden. In-App-Purchases sollten nicht vorkommen, werbefrei müssen sie sein und grafisch großartig. Der beste Check: Apps bei der ersten Nutzung gemeinsam mit den Kindern entdecken. Trotz aller Sorgfalt ist es aber laut der zweifachen Mutter „illusorisch zu denken, dass Kinder von alleine das richtige Maß im Umgang mit Smartphones und Tablets finden.“ Wie in allen anderen Bereichen des Lebens auch gilt es in Bezug auf Apps und digitale Mediennutzung Regeln zu setzen. „Künstliche Verknappung“ nennt Pausder dies, und setzt es auch in ihrer eigenen Familie um, wenn etwa im Urlaub auf alle technischen Geräte verzichtet wird.

Auch im Umgang mit digitalen Geräten müssen Eltern ihren Kindern Vorbilder sein. Aus diesem Grund bietet die HABA-Digitalwerkstatt, welche das Rüstzeug vermitteln will, digital aktiv zu werden, neben Programmier- und Entwickler-Kursen für Kinder auch Workshops für deren Eltern an. Daneben engagiert sich Pausder in der Initiative Startup Teens, mit welcher das Unternehmertum von morgen gefördert wird. Als Hauptaufgabe der beiden Initiativen empfindet sie es, „die Kinder überhaupt erst an die Startlinie der jeweiligen Disziplinen zu stellen.“ Die Initiativen stehen somit auch der Behäbigkeit der Behörden entgegen, wenn es um die Umsetzung digitaler Angebote im Lehrplan geht. Das Erfolgsrezept der Digitalwerkstatt war es, ganz ohne Konzeptpapier ein Angebot zu setzen und dann zu evaluieren: „Meine Devise: Einfach machen!“

Für die Macherin Pausder sind Auszeichnungen und Ruhm „immer nur eine Plakette – man hat das Gefühl, man ist gar nicht gemeint.“ Dennoch ließ ihre Ernennung zur Young Global Leader, welche einhergeht mit einem fünfjährigen Programm des Weltwirtschaftsforums, in der Startup-Szene aufhorchen. Gerade die Mischung aus eigenem Unternehmertum sowie dem Bestreben, mit Initiativen wie den Startup Teens, Unternehmertum für Schülerinnen und Schüler vorantreiben zu wollen und so jeden Tag die Welt etwas besser zu machen, hat zu Pausders Ernennung geführt. Ihr Thema sieht sie eher als Überzeugungsthema, keines mit dem man reich wird, an.

Die Ernennung zur Young Global Leader bietet darüber hinaus die Möglichkeit, einen Umgang mit Missständen zu suchen. Einer dieser Missstände wurde vom Startup Salary Report, nach welchem Berliner Startups Frauen 25% weniger Gehalt zahlen als Männern, offen gelegt. DWOMAN Pausder aber präferiert einen anderen Weg, als bloß darauf hinzuweisen: „Ich bin immer Aktivistin und möchte die Ursachen verbessern, indem ich den Kontakt zu Frauen suche und sie direkt unterstütze.“ Ähnlich hält sie es mit der niedrigen Zahl von nur 9-10% weiblichen Gründerinnen in Berlin. Wie auch die wachsenden Teilnehmerinnenzahlen der DWOMEN-Reihe sowie der von Verena Pausder gehosteten Ladies Dinners und Ladies Drinks, seien die Zahlen eher als Fortschritt zu betrachten. Wenn sich bei solchen Events Frauen auf beruflicher Ebene miteinander austauschen und voneinander lernen, sei das als Indikator zu werten, dass es in die richtige Richtung geht.

Auch die Aufnahme in den Kreis der Young Global Leaders wird Verena Pausders Stil nicht verändern. „Ich bin immer eher Macherin statt Politikerin“, sagt sie. Und man kann hinzufügen, dass sie vielmehr als das ein großes Vorbild für Frauen in der Branche ist.

Am 3. November wird der Stab der DWOMAN of the Day weitergegeben an Impulsgeberin Lea-Sophie Cramer, Gründerin von Amorelie. Denn wie auch Verena Pausder glauben die DWOMEN-Initiatorinnen Sonja Kardorf (IBB) und Andrea Peters (medianet-bb) an die Macht der Vorbilder.

 

Autor: Max Duhr
Erschienen am 06. Juli 2016
Bildquellen/Copyright: Verena Pausder (Foto), media.net berlinbrandenburg (Grafik)
Originalbeitrag: http://www.medianet-bb.de/DE/id370aid854o0_articles.html

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