Digitale Bilder zum Anfassen

Fotograf Tim Brandt mit den Co-Gründern von EyeEm Lorenz Aschoff und Gen Sadekane

EyeEm hat im Gestalten Pavillion im Bikini-House die dritte Ausgabe ihres Foto-Magazins gefeiert. Ich habe die Chance genutzt und mit dem Co-Founder und Creative Director Gen Sadakane über den Sinn von Print in der digitalen Welt gesprochen.

Die mobile Foto-Community EyeEm wurde 2010 als Instagram-Alternative gestartet. Mittlerweile hat die Plattform 15mio User, über 30mio Downloads und mehrere Millionen Bilder in Ihrer Datenbank. Im letzten Jahr wurde zudem ein eigener Marketplace gelauncht, über den die EyeEm-User ihre Fotos vertreiben können. Um die hohe Qualität der Bilder zu verdeutlichen, bringt das Start-up neuerdings auch ein eigenes Foto-Magazine heraus.

Gen, Du bist der Creative Director von Eurem Magazin “EyeEm”. Bevor wir darüber sprechen, erkläre doch erst mal, was Eure Foto-Community von Instagram oder Pinterest unterscheidet.

Das ist ganz einfach zu beantworten: Denn nur auf unserer Plattform kann man einer Foto-Community beitreten und zugleich seine Bilder verkaufen. Auf EyeEm kann sich die User künstlerisch austoben, andere Fotografen kennenlernen, seine Bilder in einer „echten“ Ausstellung oder auch in unserem Magazine veröffentlichen und über unseren Marketplace verkaufen.

Ihr präsentiert heute bereits die 3. Ausgabe Eures Print-Magazins? Ist das ein reines Liebhaber-Projekt oder Werbung für Euren neuen Marketplace?

Es hat als Side-Projekt angefangen und wir professionalisieren es gerade, skalieren die Distribution und haben jetzt auch einen Online-Store, worüber wir es weltweit vertreiben. Natürlich ist es auch Marketing für unseren Markplatz und der Bilder, die man darüber kaufen kann. Aber hauptsächlich ist es für unsere Community, die freut sich nämlich riesig, in einem richtigem Magazin veröffentlicht zu werden.

Es gibt ja gerade in der Berliner Gründerszene auffällig viele Printmagazine wie the Hundert oder Berlin Valley. Bietet Print einen Art haptischen Ausgleich zu den zahlreichen digitalen Medien oder handelt es sich um eine Art Gegenbewegung zu der kurzlebigen Digitalkultur?

Ich finde Print, sofern es relevant genutzt wird, prima. Wenn die Qualität stimmt, ist es zeitlos. Unser Anspruch mit dem EyeEm-Magazine ist es, etwas Nachhaltiges zu kreieren. Etwas, was  man gerne haben möchte und sogar bereit ist, dafür zu zahlen. Gerade in unserer digitalen Welt ist die Wertschätzung für ein haptisches Produkt wie unserem Coffeetable-Book natürlich besonders hoch.

Wie weit spielt es für Euch eine Rolle, dass Ihr die User Eurer digitalen Community mit einem Print-Produkt oder Ausstellungen auf emotionaler Ebene noch stärker erreichen könnt?  

Sehr, wir haben zwar mit dem Blog angefangen, aber eine „echte“ Ausstellung mit Fotografie folgte schnell. Es ist wie gesagt eine Kombination. EyeEm ist nicht nur eine App, Plattform oder Blog, es ist weitaus mehr. Wir wollen die Zukunft der Fotografie mitgestalten in allen Bereichen.

In der EyeEm-Datenbank sind mittlerweile Millionen von Fotos. Wie wählt Ihr daraus die Bilder für das Magazin aus?

Gute Frage! Es werden täglich Millionen von Bildern hochgeladen, da wird das Kuratieren immer schwieriger. Deshalb haben wir Inhouse ein RnD Team, welches eine Technologie entwickelt, die nicht nur die Bilder verschlagwortet, sondern auch erkennen kann, ob es ein gutes oder schlechtes Bild ist.

Wie unterscheidet Eure Technologie zwischen guten und schlechten Fotos?

Wir zeigen der Maschine tausende von guten Bildern, von Magnum Fotografen bis Fotos, die sich auf unserem Marktplatz verkaufen, so lernt es und wird immer besser. Aber auch negative Beispiele werden ihr gezeigt, damit sie zwischen hoch- und minderwertigen Bildern zu unterscheiden lernt. Unsere Technologie ist sozusagen wie ein kleines Kind, das ein Fotografie-Studium durchläuft.

Die Ausgaben haben immer einen bestimmtes Thema. Nach „Travel“ und „Schwarz“ hat Eurer drittes Heft den Titel “By Women”.  

Frauen entwickeln einen eigenen Fotografie-Stil, daher haben wir für unsere aktuelle Ausgabe nur weibliche Fotografen aus unserer Community gefragt, ob sie mitwirken wollen. Übrigens sind mit 56% weibliche User auf EyeEm auch in der Überzahl.

Foto © Tim Brandt (mit den Co-Gründern von EyeEm Lorenz Aschoff und Gen Sadekane)

 

Autor: Tim, IHK Berlin
Erschienen am 10. Mai 2016
Originalbeitrag: http://www.ihk4startups.berlin/post/144151327633/digitale-bilder-zum-anfassen-eyeem-hat-im

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