Die eigene Disruption denken

Interview mit Nicolas Zimmer zum Stand der Digitalisierung der Berliner Wirtschaft

Die Zahlen aus der Innovationserhebung Berlin 2016 zeigen, dass die Berliner die Möglichkeiten der Digitalisierung bereits stärker nutzen als der Bundesdurchschnitt. Ist der Standort auf dem richtigen Weg?
Nicolas Zimmer: Ja und nein. Es gibt die bekannte, sehr erfolgreiche Berliner Startup-Szene, die Digitalisierung lebt, und – das ist sehr erfreulich und geht klar aus den Zahlen hervor – es gibt in Berlin eine größere Offenheit für die Digitalisierung als anderswo. Allerdings zeigen die Zahlen auch: Während Dienstleistung bereits weitgehend vernetzt gedacht und betrieben wird, ist das Thema in Industrie und Verarbeitendem Gewerbe noch nicht angekommen oder wird dramatisch unterschätzt. Die Betriebe erkennen schlicht und einfach nicht, welche Herausforderungen auf sie zukommen.

Nicolas Zimmer

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Digitalisierung ist mehr, als eine E-Mail-Adresse und eine Webseite zu haben. Bereits bei der Produktentwicklung muss die Digitalisierung mitgedacht werden. Smarte Produkte setzen sich immer stärker durch. Dabei verändern sie das analoge Produkt stark. Ein gutes Beispiel ist das Telefon, über das der Nutzer früher Ferngespräche führen konnte. Heute ist er darüber im Kontakt mit der ganzen Welt. Es geht nicht darum, das bewährte, analoge Produkt in einem beständigen Prozess Stück für Stück weiter zu optimieren. Die Unternehmen müssen erkennen, dass sich die Produkte grundsätzlich ändern, wenn sie digital werden. Sie müssen ihre eigene Disruption denken und durchführen. Wenn sie es nicht tun, tun es andere.

Außerdem wird sich die Produktion völlig verändern. Zurzeit sind erst 15 Prozent der Berliner Industriebetriebe in der Produktion vernetzt. Industrie und Verarbeitendes Gewerbe in Berlin müssen ein stärkeres Bewusstsein für die digitale Zukunft entwickeln und sich den neuen Herausforderungen mit Mut und Kreativität stellen.

Wir haben die Innovationserhebung heute im Gasturbinenwerk von Siemens vorgestellt. Dort werden die Komponenten für Turbinenschaufeln mittlerweile im 3D-Druck hergestellt. Der Werkleiter hat uns erklärt, was der 3D-Druck an Zeit und Material einspart. 3D-Druck statt Gießen. Das ist ein gutes Beispiel für die Veränderungen, auf die wir zugehen.

Autorin: Frauke Nippel
Erschienen: 9. März 2017
Bildrechte: Technologiestiftung/Dobrindt
Original Blogbeitrag: https://www.technologiestiftung-berlin.de/de/blog/die-eigene-disruption-denken/

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