Branding für Tech-Startups – Der Weg eines Gründers

Vor ein paar Wochen lud mich das 99designs-Team ein, einen Post für den Blog zu schreiben und meine Branding-Story zu erzählen. Als Gründer eines Startups werde ich selbstverständlich niemals eine Gelegenheit verstreichen lassen, über mein Unternehmen zu reden.

Hier ist nun also die Geschichte von Hecate, einer Reihe von GitHub Apps, die Software Engineering Managern helfen soll, ihre Arbeit besser zu machen. Es gibt zwei Gründe, weshalb du meine Geschichte interessant finden könntest.

Der erste ist, dass ich VP of Engineering für 99designs selbst war. Es is immer interessant zu hören, wie ein ehemaliger Angestellter sein altes Produkt nutzt. Die Besonderheiten von 99designs zu kennen half mir, ein tolles Ergebnis zu erzielen und hoffentlich kannst auch du den ein oder anderen Expertentipp mitnehmen.

Der zweite Grund dreht sich darum, wie ich vom ersten Tag an versucht habe, Branding zu nutzen, um die Unternehmenskultur besonders bezüglich Vielfalt voranzutreiben.

Via Hecate

Den ersten Schritt machen

Wie alle guten Startups begann Hecate basierend auf meinen eigenen Erfahrungen als Leiter eines Entwicklerteams bei 99designs als Nebenprojekt. Ich versuchte einen einfachen Weg zu finden, Engineering Manager wissen zu lassen, woran ihr Team gerade arbeitet. Eine Aufgabe, die mit einem wachsenden Team schwerer und schwerer wird.

Neben dem Verständnis für das Problem der Kommunikation in Produktteams habe ich durch die jahrelange Arbeit bei 99designs und den Erfolg all unserer Kunden Branding stark zu schätzen gelernt. Branding ist zudem Motivation.

Untersuchen meiner Branding-Faktoren

Zu der Zeit, als ich mit der ursprünglichen Idee begann, schaute ich ununterbrochen American Gods. Die TV-Serie basiert auf einem Buch von Neil Gaiman und bezieht sich stark auf nordische Mythologie. Ich fand das inspirierend und wollte dem Beispiel folgen. In der nordischen Mythologie sind Huginn und Muninn zwei Raben, die durch die ganze Welt fliegen und Odin Informationen liefern. Dieses Bild entsprach genau meiner Geschäftsidee, aber leider hatte jemand anderes bereits dieselbe Inspiration.

Dennoch musste ich weitermachen. Statt also die Idee zu begraben entschied ich, dass der Arbeitstitel GitRaven lauten sollte. ich friemelte ein Platzhalter-Logo mit einem Logo Maker zusammen und konzentrierte mich dann auf den Prototypen der ersten Produktversion.

Ein Platzhalter-Logo für das, was später Hecate werden sollte.

Nach meinem anfänglichen Anstoß Richtung allem, was nordisch ist, machten sich ein paar Zweifel breit – nicht nur wegen des beschämend schlechten Logos und generischen Namens.
Bei 99designs zu arbeiten bedeutete, dass ich umgeben war von Brandings für Tech-Unternehmen. Ich hatte bereits drei typische Arten erkannt, auf denen Startups Branding nutzten: selbstgemachte 08/15-Themes, Skandinavischer Vibe der Jahrhundertmitte und Nerd-Kultur auf dunklem Hintergrund.

Was ich sah war ein ausgeprägter Mangel an Vielfältigkeit in der Art, wie Tech-Startups Branding nutzten und sich selbst präsentierten. Ich bin ein großer Fan von Amy Wibowo, Informatikerin und Gründerin von Bubble Sort Zines und ihre Artikel über Vielfältigkeit im Techbereich und wie Produkte präsentiert werden hatte einen großen Einfluss auf mich. Ich wurde durch Informatik-Heftchen auf sie aufmerksam. Coding Like a Girl eignet sich sehr gut, um ihre Arbeit kennenzulernen.

Als die Organisation Code Like a Girl einen Kommentar schrieb, der dazu aufrief, Technik nicht weiter so „mädchenhaft“ zu machen, also Plattformen und Tool auf eine Art zu designen, dass sie ansprechender für weibliche Zielgruppen macht, gab es einen gewaltigen Shitstorm auf Twitter.

Ich fand das sehr enttäuschend. Die Debatte hat mich beeinflusst und sorgte dafür, dass ich besser sein wollte. Mein Unternehmen war meine Chance, um Vielfalt auf eine Art zu erzeugen, an die ich glaubte, und ich wollte dies in meine Marke einbringen. Ich entschied mich, Amys Arbeit Tribut zu zollen, und arbeitete daran, meine Branding-Instinkte komplett umzudrehen. Statt nach Göttern suchte ich nach Göttinnen und arbeitete mich bis zum Griechischen Pantheon durch. So trat Hercate hervor, die griechische Göttin der Wegkreuzungen und Zauberei.

Hecate kreieren

Da ich nun den Namen hatte, war es an der Zeit, sich eine visuelle Identität zu überlegen. Ich entschied mich für einen Logo-Design-Wettbewerb für Hecate.

Erfahre mehr darüber, auf 99designs mit Designern zu arbeiten.

Für mein Briefing holte ich mir Ideen von Pinterest. Ich versuchte, für alles offen zu sein, während ich Sachen pinnte, die mir gefielen, aber als ich mein Board zusammen hatte, war ziemlich klar, dass es für Hecate auf die Entwicklung einer Figur oder eines Maskottchens hinauslief.

Also entwickelte ich ein Briefing: Ich benötige eine Figur/Maskottchen im Vektorformat, welches auch als Logo fungieren kann mit einem komplementären Farbschema. Es sollte entweder ein Mädchen oder eine Katze in einem Hexenhut sein in einer Art hellem Pastellfarbschema.

Instagram-Post mit der Arbeit von Designerin NataMarmelada

Dieses Briefing sah allerdings nie das Tageslicht, weil ich diesen Instagram-Post von 99designs sah. Es traf den Nagel beinahe auf den Kopf.

Als ich die Designerin – NataMarmelada – kontaktierte, fand ich heraus, dass das Figurendesign ein „Überbleibsel“ aus einem 99designs-Wettbewerb war und dass sie bereit war, es zu verkaufen.

Ich wollte, dass Hecate etwas „hexenartiger“ wird, daher bekam sie ein kleines Update und einen Hut. Ich bat darum, den Hut und Mantel irgendwo zwischen einem traditionellen Hexen-Outfit und einer Art klassischem Regenmantel eines Leuchtturmwärters zu gestalten und einen Hut für eine maritime Atmosphäre.

Hecate wird etwas hexenartiger. Figurendesign von NataMarmelada.

Die finale Version ist genau das, was ich mir erhofft hatte. Sie ist die perfekte Repräsentantin für meine Tech-Marke.

Entegegen des Klischees

Obwohl der Großteil meines Branding-Budgets für die Entwicklung eines Maskottchens draufging, war es das wert. Leider besteht Branding aus ein bisschen mehr als nur einem Maskottchen und da ich kein Budget mehr hatte, musste ich mir für den Rest etwas anderes einfallen lassen. Das Buch Design for Hackers war eine große Hilfe, um den Rest zu erledigen.

Ich nahm das Farbschema aus dem Maskottchen-Design und gab es in verschiedenen Color Picker, die im Buch empfohlen wurden ein, wie beispielsweise dem Adobe Colour Wheel (früher bekannt als Kuler), bis ich eine Palette hatte, mit der ich arbeiten konnte.

Die Hecate Wortmarke in Kombination mit dem Figurendesign von NataMarmelada

Mir fehlte auch noch eine Wortmarke zum Maskottchen. Zum Glück habe ich einen Freund, der ein riesiger Typografie-Nerd ist und mir noch einen Gefallen schuldete. Er empfahl mir ein paar Schriftarten, welche ich mir anschaute, bis ich Chapeau von Milieu Grotesque fand, welches die perfekte Mischung aus professionell und freundlich war. Um die Wortmarke fertig zu stellen, musste ich nur noch den Querstrich des H ein bisschen anpassen, damit er mit dem e übereinstimmte.

Branding für Tech-Startups: Die besten Tipps

Mit Blick auf den gesamten Prozess zur Entwicklung meines Brandings gibt es ein paar Erkenntnisse, die ich teilen kann:

  • Tipp Nummer 1 ist, 99designs auf Instagram zu folgen. Das Designer-Marketing-Team versucht immer, die besten Arbeiten auf der Plattform zu zeigen, und es ist ein toller Weg, um Talente zu finden.
  • Wettbewerbe sind vermutlich immer noch der beste Weg, um an ein Logo zu kommen, aber wenn du jemanden gefunden hast, dessen Ästhetik zu dir passt, kannst du viel Zeit und ein bisschen Geld sparen, wenn du direkt mit dem Designer arbeitest.
  • Es lohnt sich, sich vorher zusätzlich Gedanken über deine Marke zu machen. Wenn ich meine eigenen Annahmen zum Branding nicht infrage gestellt hätte, hätte ich niemals etwas bekommen, was auf dem Markt heraussticht.

Bist du ein Gründer, solltest du diese Dinge definitiv beachten, wenn du ein Branding für dein Tech-Startup entwickelst.

Hecate ist bereits am Markt. Wenn du ein Engineering Manager oder Produktmanager mit einem Team zwischen 10 bis 30 Leuten bist, check uns mal aus unter: https://hecate.co/
 
Autor: John Barton
Erschienen: 12. November 2018
Bildrechte: Hecate, 99designs
Original Beitrag: https://99designs.de/blog/logo-und-branding/branding-fuer-gruender/

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