Das Technologie-Jahr 2016: Sieger und Verlierer

Gasometer
Bevor wir auf 2017 anstoßen werden, blicken wir noch einmal zurück auf dieses Innovationsjahr – ganz nüchtern und weit entfernt von Hypes. Welche Trends haben sich durchgesetzt und was ist gefloppt? Die Sieger und Verlierer des Jahres 2016.

Die Gewinner

Messenger als Plattformen für Dienstleister

Chatprogramme, wie früher MSN Messenger oder ICQ, waren einfache Kommunikationstools. Die neue Generation (Facebook Messenger, WhatsApp, Google Talk, iMessage) entwickelt sich jedoch immer mehr zu einer Plattform für externe Dienstleistungen. Mittlerweile können Flüge gebucht, Pizzen bestellt und Kundenservices kontaktiert werden. Vor allem für große Firmen ist es unumgänglich, die eigenen Produkte und Dienstleistungen zeitnah mit diesen Messenger-Plattformen zu verknüpfen.

Digitale Assistenten

Auch digitale Assistenten entwickeln sich zu Plattformen für externe Dienstleistungen. Mit Hilfe der eigenen Stimme wird ein digitaler Assistent in einem Smartphone oder Lautsprecher angesteuert, so zum Beispiel bei Amazon Echo oder Google Home. Diese Assistenten mit teilweise exotischen Namen, wie Siri, Alexa, Cortana usw., beantworten nicht nur einfache Fragen. Sie können auch Aufgaben erledigen, beispielsweise den Wareneinkauf, die Bestellung von Lebensmitteln oder das Rufen eines Taxis.

Virtual & Augmented Reality

Schon Anfang der 90er-Jahre gab es erste Prototypen (Sega!) der Virtual-Reality-Brillen. Doch seit 2016 sind nun endlich einige qualitativ recht hochwertige Brillen erhältlich, mit denen man tatsächlich in eine andere Welt abtauchen kann. Auch die Tatsache, dass die großen Unternehmen der Digitalbranche (Google mit Daydream, Facebook mit Oculus Rift) eingestiegen sind, sagt etwas über den Glauben an das Potenzial dieser neuen Technologie aus. Vor allem im Bereich Augmented Reality – eine Technik, mit der digitale Informationen in die reale Welt eingeblendet werden – könnte es eine Lawine neuer App-Entwicklungen geben.

Industrie 4.0

Die rein digitale Abwicklung von Produktionsprozessen – inklusive Überwachung von Maschinen und Qualitätssicherung mit Sensoren und Kameras – erlebt einen enormen Aufschwung. Für viele Firmen ist diese Industrie 4.0 noch eine riesige Herausforderung: Teilweise ist die technische Infrastruktur noch veraltet und für eine Innovation wie diese nicht ausgelegt. Doch die Vorteile, die die Industrie 4.0 mit sich bringt, sind zu zahlreich, um die Entwicklung zu ignorieren: Effizienzgewinne oder personalisierte Produkte für Endkunden sichern Marktpositionen. Im Bauwesen hat sich zum Beispiel das BIM (Building Information Modeling) als Standard für Projekte durchgesetzt. In einigen Ländern ist dessen Einsatz bei entsprechenden Ausschreibungen sogar Pflicht.

Halbzeitpause

Blockchain

Das Interesse an dieser Technologie ist riesig, diesbezügliche Veranstaltungen sind sehr gefragt. Dabei ist es noch viel zu früh, um einschätzen zu können, welche konkreten Anwendungen es für eine solche verteilte und damit dezentrale Datenbank geben kann. Bitcoin als Zahlungsmittel ist bekannt, die Deutsche Bank arbeitet an einer Anwendung für Wertpapiere. Die Technik könnte auch für die Verifizierung von Kunstwerken benutzt werden. Inwiefern Blockchain skalierbar und praktisch ist, muss sich aber noch zeigen.

Machine Learning & Künstliche Intelligenz

Was das sogenannte ‚Amara-Gesetz‘ besagt? ‘Wir neigen dazu, den Einfluss von neuen Technologien kurzfristig zu überschätzen und langfristig zu unterschätzen’. In diesem Fall steht der Künstlichen Intelligenz eine große Zukunft bevor, die auch viele Visionäre prognostizieren. Doch wurden vor allem Anwendungen entwickelt, die riesige Datenmengen benötigen, um relativ einfache Aufgaben erledigen zu können. Von wirklich selbstdenkenden Maschinen dürften wir daher noch ein Stück weit entfernt sein.

Verlierer

Smart Home

Kein Zweifel: Langfristig betrachtet, steht dem Internet der Dinge eine rosige Zukunft bevor. Doch bisher gibt es noch zu wenige Anwendungen, die einen echten Mehrwert bieten. Überwachungskameras, Licht und intelligente Heizungen mit dem Internet zu verknüpfen, macht schon Sinn. Dennoch gibt es zurzeit zu viele verschiedene Technologien, die nicht richtig miteinander kommunizieren können. Bis sich diesbezüglich ein Standard durchsetzen wird, kommt das Smart Home eher langsam voran.

Smartwatches

Wenn sogar Apple den Markt nicht signifikant ankurbeln kann, ist das besorgniserregend. Vielleicht gibt es bisher einfach noch keine gute Anwendung, die eine intelligente, vernetzte Uhr wirklich attraktiv macht. Auf jeden Fall folgte auf den Hype der Smartwatches im Jahr 2015 in diesem Jahr kaum etwas richtig Geiles.

Autor: Bas Timmers
Erschienen: 16. Dezember 2016
Original Blogbeitrag: https://www.neuesignale.de/das-technologie-jahr-2016-sieger-und-verlierer/

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