log in. berlin. bloggt: Tante Emma 4.0 – Benjamin Thyms App barcoo macht den Einkauf transparent

 Tobias Bräuer und Benjamin Thym, Gründer von barcoo – Foto: ©Max Threlfall

Benjamin Thym ist überzeugt: Auch in Zukunft wird es Ladengeschäfte geben, denn E-Commerce und stationärer Handel werden durch digitale Technologien auf eine ganz neue Weise zusammenwachsen. Mit seinem Start-up barcoo war der gebürtige Schwabe ein Pionier im Markt für mobile only. Heute beschäftigt barcoo in Berlin über 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „log in. berlin.“ hat den Gründer und Geschäftsführer in seinem Büro in der Kreuzberger Waldemarstraße getroffen.

Herr Thym, was war die Gründungsidee hinter barcoo?

Die App barcoo war 2008 unser erstes Produkt. Daraus ist etwas später die checkitmobile GmbH entstanden. Wir lieben seitdem alles, was mit digitalem Shopping zu tun hat. Unser Kerngeschäft sind Apps für den Einkauf unter dem Motto „Wissen, was Du kaufst“ und mit dem Ziel, Transparenz für den Verbraucher zu schaffen.

Wie funktioniert barcoo?

Der Nutzer scannt den Barcode eines Produktes mit seinem Smartphone und bekommt dann von der App Informationen aus über 70 Quellen in vier Dimensionen: Preise und Verfügbarkeiten, Qualitätsinformationen von Ergebnissen der Stiftung Warentest bis hin zu Meinungen anderer Konsumenten, Gesundheitsinformationen wie die Lebensmittelampel und Umweltinformationen.

Sie versprechen eine Verbesserung des Einkaufserlebnisses. Warum ist dies aus Ihrer Sicht nötig?

Den guten alten Tante Emma Laden gibt es nicht mehr. Wenn ich hier in Kreuzberg einkaufe, sagt mir niemand „Hey cool Ben, dass du wieder da bist. Heute haben wir das und das für dich, das dürfte dir gefallen.“ Das haben wir alles komplett verloren. Wir glauben daran, dass die Digitalisierung uns dabei hilft, ein bisschen Tante Emma zurückzuholen.

Was macht barcoo einzigartig im Vergleich zu anderen Unternehmen?

Wir waren Pioniere für mobile only. Damals, 2008, haben uns viele für verrückt erklärt. Auch heute noch versuchen wir mit der jeweils neuesten Technologie Verbrauchern und Unternehmen zu helfen. Im Moment arbeiten wir zum Beispiel am Einsatz von Beacons im Einzelhandel. Diese kleinen Sender können den Verbrauchern Informationen zum jeweiligen Produkt auf ihr Smartphone senden. Der Einzelhandel steht hier noch ganz am Anfang. Der Trend geht aber dahin, dass die Händler die Entwicklungen als Chance wahrnehmen, um so etwas wie Tante Emma 4.0 anbieten zu können. Eine wichtige Technologie dabei sind die Beacons.

Welche Rolle werden Ihrer Meinung Läden, Schaufenster und Verkäufer in Zukunft für den Handel spielen?

Wir werden immer in Läden gehen. Es gibt aber massive Veränderungen, die sich sicher noch beschleunigen. Wenn ich mir ein neues Geschirr kaufen will, dann gehe ich auch in den Laden, denn ich möchte die Teller anfassen und anschauen. Aber natürlich kaufe ich dort nicht, denn sonst müsste ich den Einkauf mit mir herumschleppen. Außerdem ist es in dem Laden viel zu teuer. Der Hersteller wird zukünftig den Händler dafür bezahlen, dass die Kunden die Produkte in einer Art Showroom ansehen, anfassen oder anprobieren können. Der Kauf erfolgt dann zum Beispiel über das Internet. Es kann sein, dass die Läden in Zukunft gar keine Kasse mehr haben. Hier bieten Beacons die Chance, das Showrooming messbar und monetarisierbar zu machen. Und: Das Ganze geht datenschutzkonform und anonym.

Die IT und die Digitalisierung verändern also unseren Alltag rasant. Auf welche Innovationen freuen Sie sich persönlich am meisten?

Eindeutig auf den Super-Akku. Ich möchte nicht mehr an meinen Akku denken müssen.

Warum sollten aus Ihrer Sicht Unternehmen der IT-Branche und der Digitalen Wirtschaft Berlin als Standort auswählen?

Damals bei der Gründung war ganz klar, dass wir nach Berlin kommen. Wir hatten gedacht, hier ist das beste Umfeld. Und das hat sich bewahrheitet. Die Stadt zieht Menschen an, die etwas verändern wollen – und das sind die Leute, die wir brauchen. Ich schätze auch sehr das soziale Ökosystem, das hier entstanden ist. Es vergeht keine Woche, in der ich nicht im beruflichen Umfeld jemanden kennenlerne, der auch die Welt erobern will mit seinen Aktivitäten. Die Stadt vibriert weiter, und das gefällt mir. Einzigartig ist auch die Medienpräsenz.

Warum ist barcoo Partner der Kampagne „log in. berlin.“ geworden?

Wir möchten dabei helfen, den IT-Standort Berlin bekannter zu machen, und natürlich gern etwas zurück bekommen. Zum Beispiel Aufmerksamkeit für uns. Wir haben in der Partnerschaft die Chance auf eine Win-Win-Situation für uns und die Stadt als IT-Mekka gesehen.

 

Foto: © Max Threlfall

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